Frühling in Buenos Aires
Langsam gewöhnt man sich an die scheinbar nie zur Ruhe kommende Stadt, das auffällig schnelle Hupen, die Menschenmassen, die die U-Bahnen überfüllen und kaum Platz für mehr lassen und doch bei jeder Station auf’s Neue die Türen öffnen. Die Körper kleben aneinander, wie Sardinen verpackt, die Sitzplätze, ehe man sich versieht, sind gefüllt und die kleinste Lücke geschlossen.
Es ist die Wärme, die mir Freude macht, die Sonne, die den Frühling von seiner schönsten Seite zeigt. Ein November, der auch mal über 30 Grad heiß werden kann. Müdigkeit macht sich breit und der Appetit steigt in Sekundenschnelle, sobald man durch die Straßen zieht. Vorbei an Schaufenstern gefüllt mit süßem Gebäck, Dulce de Leche, Kuchen und allerlei argentinischen Köstlichkeiten.
Vorsicht nur, den Blick zu Boden nicht zu verlieren, sonst ist die Stolpergefahr groß. Selten ist der Gehweg unversehrt, die Fließen und Steinböden sind meist zerbrochen, darunter versteckte Pfützen, die nur zu gerne in die Schuhe überschwappen. Man gewöhnt sich sehr schnell daran und irgendwie werde ich es vielleicht sogar vermissen, diesen fehlenden Perfektionismus, diese rohe Fassade einer Stadt, die einst so prachtvoll und bedeutend war. Jetzt zeigt sie das, was ist. Unverschönt. Das Leben der Stadt wird lebendig. Es ist kein Leben voll Genuss, es ist kein Leben, das einfach ist. Der Großteil hier kämpft ums Überleben und jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Wie überall auf der Welt.


Doch von jeder Stadt braucht man eine Pause. Zeit, um raus zu kommen, auch. Der Verkehr steht, die achtspurige Autobahn scheint kein Ende zu nehmen. Beobachtet man die Wiese, die sich zwischen der Autobahn und den Häusern entlang zieht, findet man auf etliche Familien, Paare, Freunde, Kinder, die picknicken, Fussball spielen, mit ihrem Hund toben oder einfach die Aussicht auf das Verkehrschaos genießen, das sie gar nicht mehr wahrnehmen. Eine andere Welt.
Unser Ziel ist San Antonio de Areco, in der Provinz von Buenos Aires. Hier findet man auf Gebäude wie vor hundert Jahren, wundervoll gepflegt, Gauchos, die einen eher an moderne und vorallem reiche Cowboys erinnern, anstatt an die traditionellen Gauchos von Patagonien.
San Antonio de Areco
Ich denke an den gestrigen Ausflug nach Tigre, die Bootsfahrt an den Inseln vorbei, an denen es statt Autos Boote gibt. Ein Leben fern der Hektik, umgeben von Grün, Wasser, Ruhe. Es gibt Tankstellen für die Boote, eine Schule, eine Kirche, die Müllabfuhr, die an den Häusern vorbei schippert.
Mit dem Boot durchqueren wir jedoch nur einen Hauch dessen, was es bei den Inseln noch zu entdecken gibt. Leider kann ich hierfür keine Bilder zeigen, da heute das Handy meines Mannes in der U-Bahn von Buenos Aires geklaut wurde, aber was soll man machen. Mehr als sich zu ärgern kann man leider nicht. Keine Chance das Handy wieder zu bekommen, so die Polizei. Immerhin durften wir umsonst in die Bahn zurück nach Hause fahren. Das ist doch mal ne nette Geste.









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