
Wann genau ich das erste Bild des Films geschossen habe, kann ich nicht mehr sagen. Es muss irgendwann Ende des Sommers letzten Jahres gewesen sein. Damals packte ich voller Vorfreude den 36er Kleinbildfilm der Marke Cinestill (50) aus, mit dem ich schon so lange arbeiten wollte. Es war zu einer Zeit, in der die Kamera immer seltener meine Begleiterin wurde und ich mit allen Mitteln versuchte, dagegen anzukämpfen. Dann gab es Wochen, in denen ich, wenn es gut lief, einen Moment einfangen konnte. Doch egal was ich tat, die Kamera wurde zweitrangig für mich. Staub sammelte sich auf ihr. Leid tat es mir nicht, es war einfach so.
Letzten Freitag dann, nach vielen Monaten, drückte ich das letzte Mal auf den Auslöser und fühlte mich auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen unbefriedigt. Das war es also. Die gewohnte Vorfreude auf die entwickelten Negative fiel bescheiden aus, doch gestern, als ich sie abholte, musste ich sofort mit dem Artikel beginnen. Es tat sich etwas.

Es sind diese Phasen des Stillstands, die ganz plötzlich auftauchen und einem neue Wege aufzwingen. Auch jetzt noch habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu meiner Kamera, die mich wartend anblickt. Ich ignoriere ihren Blick. Vielleicht werden wir uns zu gegebener Zeit wieder intensiver unterhalten und uns neu kennenlernen. Es wäre schön.
Jetzt sehne ich mich nach mehr, nach Weiterentwicklung, nach einer Verbindung, nach Altem und Neuem vereint, nach Worten und einer schon immer wieder auftauchenden Sehnsucht nach Tiefe, nach Professionalität. Weg von der Masse an Bilderflut, die einen aus allen Ecken und Enden entgegenströmt. Vielleicht beginnt für mich eine neue Sinnsuche, ein veränderter Lebensabschnitt, der mich vorwärts treiben lässt und mir entschieden einen Platzwechsel vor Augen hält.


Aber ich bleibe ruhig. Denn irgendwie ist es gut so, auch wenn Traurigkeit mitschwingt. Wenn ich ehrlich bin, war mir immer bewusst, dass mich die Fotografie allein nicht glücklich macht und die Ergebnisse mich zunehmend unzufrieden stimmten, so sehr ich mir auch wünschte, dies wäre nicht der Fall.
„Wenn man sich im Kreis dreht und alles ins Stocken gerät, für eine lange Zeitspanne, heißt es dann, trotzdem weiterzukämpfen? Weil es nur eine Phase ist? Oder hat man sich nicht doch in etwas verrannt, aus Angst, aufzugeben?“
Es ist eine Gratwanderung, die jeder nur für sich alleine gehen kann, um eine Antwort zu finden.

Schon so viele Jahre begleitet mich nun der Blog, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Er fordert mich nach wie vor und besonders die Arbeit an den längeren Artikeln macht mir große Freude. Das Schreiben, daran Feilen, Verbessern, Umschreiben, das Rauchen des Kopfes, der eine Pause braucht, nur um das mir Bestmögliche aus den Worten und Artikeln herauszuholen. Hier kann ich noch einiges lernen und mich in Disziplin üben.
Wie geht es aber weiter? Sicher ist, dass ich mit dem Bloggen nicht aufhören will, habe aber viele offene Fragen zu künftigen Themen und Inhalten, dem Blognamen und möglichen Veränderungen. Manches Mal braucht es einen kompletten Wandel. Ich neige dazu, mich in solchen Situationen radikal zu verhalten. Komplett löschen. Mich von all dem Alten lösen, was mich blockiert. Ohne Zweifel war es im Nachhinein nicht immer die richtige Entscheidung gewesen, doch ich kam wieder vorwärts. Und noch allzu gut erinnere ich mich an das Gefühl einer plötzlichen Leichtigkeit. Schwerelos. Glück. Vorerst widerstehe ich jedoch der Versuchung. Ich suche keinen Neuanfang, die Fotografie ist und bleibt ein Teil von mir, nur rutscht diese ein Stück weit nach hinten, gönnt sich eine Pause und profitiert vom Kommenden.



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