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Zimmer 12
Aus weiter Ferne höre ich noch zwei Schläge, ein Klatschen. Leises Knacken, ehe ich zu Boden falle. Nicht ich, nein, nicht ich. Ich verstumme, wie die Kirchenglocke wenige Häuser entfernt. Rauschen, ein leises Pfeifen. Schrill. Ein hoher Ton, den ich bedingungslos über mich ergehen lasse, verdrängt die Stille. Er geht wieder weg. Es geht wieder weg.…
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Bis zum Horizont
(Vor vielen Jahren geschrieben und wieder entdeckt. Eine Geschichte und Gedanken eines Kindes.) Wie ein Schatten huscht die Katze an mir vorbei. Sie verschwindet hinter der Hauswand und hinterlässt eine leere Straße. Ein Wind bläst über den Teer und trocknet die Pfützen. Meine Füße sind nass. Ich trage keine Schuhe. Ich will keine Schuhe tragen.…
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Arbeitssuche
Ganz plötzlich. Unerwartet. Sie ist einfach da. Blockiert. Lähmt. Macht mich zu einer Marionette ohne Fäden. Wie ein Knäuel zusammengekauert. Bewegungslos. Das Bein unter dem Arm, die Hand über dem Kopf, das Knie im Gesicht. Embryonalstellung. Gedankensperre. Ich drehe die Musik lauter, konzentriere mich auf den Rhythmus, der mir für gewöhnlich das Herz höher schlagen…
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Dialog
Glaubst du nicht auch, dass der spinnt? Weiß nicht, vielleicht, aber meinst du nicht, dass er gerade einfach nur durch den Wind ist? Wegen seiner Frau? Und seinen Kindern. Vielleicht. Ich wäre auf jeden Fall verrückt geworden. Ich auch. Sag mal, was hat die Frau eigentlich im Schuppen zu suchen gehabt? Ihren Kleinsten, der sich…
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Ein Dialog
Grübeln ist nicht immer gut, weißt du? Warum? Man denkt zu viel. Und das ist schlecht? Ja. Man denkt so viel mehr als nötig wäre. Meinst du, man denkt sich Probleme? Ja. Verstehe. Weißt du, ich grüble nicht so viel. Manchmal vielleicht. Ich schon. Und das macht schlechte Laune. Ach ja? Ich hab auch so…
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Ehe
Immer wieder gleiten Flavias Fingerspitzen über die Fotografien, zeichnen die Gesichter nach, die ihr aus der Vergangenheit zulächeln. Ein junges Mädchen, springende, kurze Locken, in einem rot-weiß gepunkteten Sommerkleid. Neben ihr ein Junge, der die Bitte des Fotografen, den Arm „um die Kleine“ zu legen, zögerlich nachgeht. Er ist einen Kopf größer als die junge…
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Svenja
Schritt für Schritt lief die junge Frau über den Hügel am Rande der Stadt. Eine Gruppe von Menschen hinter ihr her. Zu dicht, zu viele. Männer und Frauen. Ey, Svenja! Svenja! Svenjiskalein! Messerblitze, leuchtende Augen auf scharf gestellt. HD-Augen, wie ihr Bruder es immer zu sagen gepflegt hatte. Mikael. Wo bist du? Ihre Füße spürten…
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Flucht
Ein leichter Grauschleier lag über den Stadthäusern, die sich im Zentrum wie eineiige Zwillinge glichen. Hochkantig, verglast, mit unzähligen Stockwerken und unpersönlich. Erneut drehte ich mich um, warf einen Blick auf den Mann, der nur wenige Meter hinter mir lief. Schwarze Schuhe, langer dunkelgrauer Mantel, sein Blick gesenkt. Einer von vielen Menschen, mit denen wir…
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Die Wanderung
Wie lange noch? Aidas Blick trüb, ihre Schultern erschöpft nach unten hängend. Was denkst du, sind wir heute abend da? Die Worte lösten sich nur langsam von ihrer Zunge, formten sich zu hörbaren Sätzen. Seit vielen Stunden wiederholte sie immer und immer wieder die gleichen Fragen. Warum sind wir hier? Musste ich denn dabei sein?…
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Neuanfang
Was is´, was schaust du mich so an? Emma wendet sich wieder dem Fenster zu, beobachtet einen Spatz, der auf einem dünnen Ast schaukelt. Nichts, antwortet Tim. Nichts. Enttäuscht über sich und seine Feigheit zieht er sich in seine übliche Körperhaltung zurück, angelehnt, die Arme verschränkt, in der Hoffnung es geschehe ein Wunder, das die…
