
Feuchte Kälte legt sich auf meine Haut. Nach einer halben Stunde, noch ehe die Sonne über die Dächer der Stadt tritt, beginnen meine Finger taub zu werden. Langsam. Die Kälte kriecht unter meine Jacke, in den Nacken, und verlangsamt jede meiner Bewegungen. Ungeschickt hantiere ich mit der steif gewordenen Hand an den Kameraeinstellungen herum. Vor ein paar Tagen noch erlebte ich Plusgrade, 30Grad, und jetzt laufe ich, gebeutelt vom Jetlag, mit müden Augen durch den Wintermorgen. Minus zwei Grad zeigt mir das Thermometer an. Das sind, im Vergleich zu manch anderen Orten, noch milde Temperaturen. Brrr. Wie still es ist. Das genieße ich. Einzelne Jogger laufen an mir vorbei und verschwinden in einem dicken Nebelkissen, der sich lautlos auf der Wiese ausgebreitet hat. Ein Schwarm Krähen zieht über mich hinweg, verteilt sich, findet wieder zueinander und löst sich schließlich im Horizont auf. Unbewusst wippe ich, mein ganzer Körper, auf und ab, kaum merklich, die Finger formen sich zu Krallen und lösen sich wieder. Auf und zu. Auf und zu. Mein Atem umhüllt mich, bettet mich in ein Winterbett, in dem ich von Schnee und langen Spaziergängen träume.
Ehe ich mein Gefühl in den Fingern gänzlich verliere, steuere ich zurück Richtung Wohnung, spule parallel den Kleinbildfilm zurück, auf dem die ersten Fotos vom Winter in New York erzählen und werde von den Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne eingefangen. Ein Hauch Wärme legt sich auf mein Gesicht. Ich stoppe, wippe, forme die Hände zu einer Faust, löse sie, genieße, bis mich die Kälte endgültig nach Hause schickt. Jetzt heißt es auf die insgesamt fünf Filmrollen in S/W und Farbe zu warten, die mir von einem argentinischen Frühling und der Ferne berichten, die schon wieder hinter mir liegt. Und ein Tag New York. Bis dahin ruft Berlin und all die inspirierenden Motive in der Stadt.


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