
Es ist schon eine ganze Weile her, als ich eine wunderschöne alte Plattenkamera geschenkt bekommen habe, leider ohne die passende Kassette. Eine Kassette zu bauen, da fehlt mir das zugehörige Werkzeug und Platz, auch wenn die Lust groß ist. Eine zu kaufen ist viel zu teuer, da sie höchstwahrscheinlich nicht passen würde und ich wieder von vorne beginnen müsste. So kam, was kommen musste.

Ich liebe es alte Dinge zu zerlegen, mit anderen zu kombinieren und etwas anderes entstehen zu lassen. Das Chaos ist hierbei vorprogrammiert und während ich inmitten von Kleinteilen, Schrauben, Klebestreifen, Pappe, Schere und anderen Utensilien sitze, die sich mehr und mehr türmen, vergesse ich die Zeit komplett.
Anfangs war es ein großer Reiz mal mit Fotoplatten zu arbeiten, doch inzwischen hat sich dieser gelegt. Ein ungemein aufwendiger und teurer Spaß, der für mich momentan einfach nicht umsetzbar ist. Seit einiger Zeit bin ich dann dem Polaroid verfallen, dem Packfilm. Immer wieder hielt ich Ausschau nach einer Polaroid 450, doch irgendwann war ich die Suche und die Preisvergleiche satt. Es hing mir schon zum Halse raus. Danach folgte eins auf’s andere. Eine vorhandene Plattenkamera ohne Platten, ein altes Hasselblad Polaroidmagazin, das zwar sehr gute Bildergebnisse liefert, jedoch eine verschwenderische Größe erzielt. Ich war es leid so viel für einen Sofortbildfilm auszugeben, wenn nicht einmal die ganze Fläche genutzt wird.
Was also machen?

Radikal griff ich zur Schere und schnitt den Lichtschacht der Plattenkamera vom Rahmen ab. Danach begann die Friemelei den Holzrahmen von der Beklebung zu befreien. Auch das Polaroidmagazin verlor ein Stück seines Rahmens, in dem sich die 6×6 begrenzte Glasfläche befand.

Nach langer Überlegung, wie ich denn jetzt zum Teufel die beiden auseinander gelegten Teile zusammen bekomme, ohne das Magazin zu beschädigen und es vielleicht irgendwann wieder für 6×6 nutzen zu können, entschied ich mich für die schnellste und einfachste Lösung: ein stabiles Klebeband. Ich verwendete ein stark klebendes breites Paketklebeband und legte eine zweite Schicht mit einem schwarzen drüber. Absolut nicht schön, aber fest und lichtdicht. Schrauben funktionierten wegen der unterschiedlichen Maße nicht. Außerdem wollte ich erst testen, ob sich ein zukünftiger Umbau, auch inkl. Magazinschieber, überhaupt lohnen würde. So verband ich den Rahmen mit dem Magazin, wodurch ich dieses ganz einfach in das Rückenteil der Plattenkamera einführen konnte. Fertig! Dazu kramte ich noch die alte Leitz Wetzlar Kameratasche für unterwegs hervor, die ich vor einiger Zeit mit einer 8mm Leicina Super gekauft hatte, in die das gute Stück perfekt passte. Was will man mehr!



Eine kleine Überraschung ist das geschossene Foto, da man so gut wie keine Ahnung hat, was man jetzt genau auf dem Bild hat. Der „Durchgucker“ vorne links ist ein einziges Matschbild und absolut keine Hilfe. ABER es funktioniert und ich bin absolut begeistert! Doppelbelichtungen, Langzeitbelichtungen, Experimente mit Polaroid – alles machbar! Der zweite Punkt: Die richtige Belichtung zu finden ist hier eine besondere Herausforderung und ich bin gespannt, was ich mit der Kamera noch alles anstellen kann.

Hier meine allerersten unspektakulären Testaufnahmen schnell zu Hause gemacht.


Doppel- und Langzeitbelichtung mit FP-100C silk, unbearbeitet (8.5×10.8cm)
Zum Vergleich ein altes Polaroid im 6×6 Format

Zugegeben, es ist einfach FANTASTISCH das Bild gleich in den Händen zu halten und nicht mehr selbst entwickeln zu müssen, ohne die wunderbar fehlerhafte Welt des Analogen verlassen zu müssen. Der Haufen Chemie, der sich durch die Dunkelkammer ansammelt verursacht ab und an doch ein kleines Magengeschwür, so sehr das Entwickeln auch Freude bereitet und es einfach einzigartig ist. Vom Sofortbild hingegen war ich bisher grundsätzlich immer aufgrund der Größe und Kosten abgeneigt. Was soll ich denn bitte schön mit so einem kleinen Bild anfangen?! Auch nervte mich diese Polaroid-Trendflut, die sich wie eine Seuche auszubreiten schien.
Doch dann, an einem schönen Frühlingsmorgen, noch ehe ich die Augen öffnen konnte, hatte es auch mich gepackt und ich dachte, man kann doch auch mit dieser Größe so einige beeindruckende Werke schaffen. Ein Unikat, das es kein zweites Mal gibt und das ist doch schon mal was!



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