Es gibt Tage, an denen ich wie schlaftrunken mit der Kamera durch die Stadt laufe, sie kaum hervorhole und sie trotzdem mein stetiger Begleiter bleibt. Vielleicht dauert es daher so lange, bis der eingelegte 36er-Film belichtet ist, doch mir scheint eher, dass sich mein zeitliches Empfinden dazu geändert hat. Ich habe immer lange gebraucht. Jetzt jedoch verfliegt die Zeit, sie rennt förmlich an mir vorüber, obwohl ich mich langsamer zu bewegen scheine. Ein verrücktes Gefühl. Tage werden zu Wochen und ich schaue hinter mich und stelle fest, dass ich gestern so viel hätte machen wollen, doch der Tag vorbei war, ehe ich mich versah. Puff. Einfach so.

Vielleicht griff ich aus diesem Grund plötzlich zu meinem Handy und begann wenige Aufnahmen zu machen. Um mich dem schnellen Rhythmus um mich herum anzupassen. Für einen Augenblick wieder mitzuschwimmen. Es gelang mir nicht. Mit dem Handy zu fotografieren macht mir keinen Spaß. Meine Ergebnisse scheinen mir flach und eindimensional. Mir fehlt(e) die Trägheit der alten Mechanik, etwas in der Hand zu halten und sich bewusst zu machen, was ich tue. So habe ich das Gefühl eine Nähe zum Motiv zu schaffen. Da jedoch der letzte Blogbericht wieder viel zu lange her ist, entschied ich mich, die Handybilder hervorzuholen und zu bearbeiten. In meinem eigenen Tempo.

Während ich hier sitze und schreibe, vergesse ich die Zeit völlig. Stunden fühlen sich wie Minuten an und längst ist die Nacht über die Stadt hereingebrochen. Viel bekomme ich davon nicht mit. Ab und an spüre ich ein leichtes Strampeln in meinem Bauch, das sich eher wie sanfte Explosionen anfühlt, die gegen die Bauchdecke stoßen. Dann wird es wieder ruhig. Vielleicht schläft das Baby wieder oder lauscht dem Schnarchen der Hündin.
Das Gefühl für Zeit komplett zu verlieren ist ein Luxus geworden, der eigentlich für jeden frei verfügbar wäre, würde man sich auf ihn einlassen. Ich bin glücklich, mich ihm ab und an hingeben zu können, auch wenn es dadurch umso schwerer fällt, dem Alltag standzuhalten.


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