Ausprobieren, anpassen, verändern, wieder anpassen, bis es sich richtig anfühlt. Oft sind es die kleinen Dinge, die letzten Endes darüber entscheiden, ob sich etwas stimmig anfühlt oder nicht. Ob es authentisch ist.

Im Studium wurde uns oft während der Theaterproben gesagt: Stell dir ein Kind vor, wie es sich mit einer Sache beschäftigt. Einen Käfer beobachtet, ein Papier faltet, egal was. Es setzt die Dinge mit einer vollkommenen Hingabe um und hat den Fokus auf das, was es gerade tut. Alles andere wird ausgeblendet. Genau das macht Schauspiel authentisch und für andere erlebbar.

Was ich mir mitgenommen habe, ist, dass ich das, was ich tue, tue. Dass ich das, was ich fühle, fühle. Grenzen überwinden. Eintauchen. Voll und ganz. Wenn ich das schaffe, ist es authentisch. Egal, in welchem Bereich.

Dazu gehören für mich auch Freude und Inspiration. Und wenn es mal heißt einen längst von sich vergessenen Film, der sich in vager Erinnerung viel zu leicht drehen ließ und das Gefühl hinterließ, dass irgendetwas nicht stimmte, in einer alten Kamera seines Großvaters aus den 50ern wiederfindet und man feststellt, dass die Negative schlicht und einfach gerissen sind (man hätte hier den Filmstreifen erst noch vorschneiden müssen) oder beim Testen einer geschenkten Kamera sich plötzlich der Filmtransporthebel lockert und ab Aufnahme 18 den Film einfach nicht mehr weitertransportiert, dann sind das schlicht und einfach die täglichen Baustellen, die dazugehören. Nicht mehr, nicht weniger.

Im besten Fall lacht man darüber und sieht es als Gewinn an. Zwei neue Filme, die darauf warten, belichtet zu werden. Mit zum Teil schon längst vergessenen Motiven darauf, die eine Doppelbelichtung doppelt spannend machen. Wenn das mal nicht Glück ist, weiß ich auch nicht.

fotografien © anette siegelwachs

Mehr zum Projekt Surprise! & Surprise II


2 Antworten

  1. Avatar von Klausbernd
    Klausbernd

    Liebe Anette
    Wir ziehen die distanziertere Methode vom Brechts epischen Theater dem Strassbergschen Method Acting vor.
    Wir wünschen dir eine angenehme Woche
    The Fab Four of Cley
    :-) :-) :-) :-)

    1. Avatar von Anette Siegelwachs
      Anette Siegelwachs

      Ja interessant. Bei mir geht es tatsächlich eher in die andere Richtung. Wir konnten damals verschiedene Techniken intensiv kennenlernen und meine Rollen waren definitiv am Stärksten, wenn ich es selber auch wirklich durchlebte wie z.B. die Rolle als Marilyn Monroe. Dadurch ist es nur sehr viel schwieriger sich auch wieder davon zu lösen und braucht etwas Zeit. Aber gerade die verschiedenen Stile sind sehr spannend, je nachdem, was dargestellt und hinterfragt werden soll. Viele Grüße und euch auch eine gute Woche!

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