Wenn eine Fotografie bearbeitet wurde, finde ich es immer spannend zu sehen, wie das Bild vorher aussah. Es ist wie ein kleiner Einblick in den Arbeitsablauf zu bekommen und für sich zu sehen, welche Stimmung einem mehr zusagt oder welche unterschiedliche Wirkung entstanden ist. Heute zeige ich euch drei meiner Fotografien, die ich mit den experimentellen Surprise-Negativen bearbeitet habe. Analog trifft auf analog und verbindet sich digital, anstatt der sonst üblichen Doppelbelichtung. Ich freue mich, wenn ich die bunten Formen der Negative weiter verwenden kann. Wer mehr darüber wissen will oder selbst experimentieren mag: Surprise!, Surprise II, Surprise III.


Das letzte Bild auf dem Negativstreifen, das eigentlich nicht mehr dazugezählt wird und nicht immer sichtbar ist. Lange wusste ich nicht, was ich mit dem Negativ anfangen sollte. Wegwerfen war aber nie eine Option für mich. Mir gefallen die Endbilder. Motive, die nur zum Teil sichtbar sind, sich wie auflösen.
Damals, als das Bild entstand, war ich mit meiner Pentacon Six TL unterwegs. Ein schwerer Brocken. Aber die Aufnahmen mit einem ganz besonderen Charme, den ich sehr mag. Weich, verträumt, warm. Bis heute jedoch fehlte mir irgendetwas bei dem Bild: Farbe.


Diese Aufnahme entstand mit meiner Hasselblad 500c/m. Es war ein klirrend kalter Wintertag und die Luft so klar, dass ich gerne etwas davon mit nach Hause genommen hätte. So viel Schnee, wie es ihn bei uns nur sehr selten in der Stadt gibt. Unser Ältester konnte jeden Tag den Berg mit dem Schlitten runtersausen und direkt vor der Haustüre führte ein Weg zu den Wäldern, wo wir lange Spaziergänge mit der Hündin machten. Ich kann mich noch genau erinnern, wie schwer es damals war, wieder zurück nach Hause zu fahren und den Freiraum hinter uns zu lassen.


Stille. Nur das Knacken der heruntergefallenen Zweige, die unter den Schuhen zerbrechen. Ich erinnere mich noch genau an diese unbeschreibliche Ruhe, die in dem Wald herrschte. Kein Schatten huschte vorbei, nichts rührte sich. Es war kalt. Nur ein feiner Nebel breitete sich langsam aus, als würde er den Weg zur Lichtung zeigen.
Alte Negative hervorzuholen und ihnen neues Leben einzuhauchen hinterlässt bei mir ein richtig gutes Gefühl. Es ist, als könnte wieder etwas abgehakt werden, Altes genutzt werden und ich merke aufs Neue, wie jede Fotografie ihre ganz eigene Zeit braucht, bis ihre Geschichte richtig erzählt werden kann. Und das ist völlig ok so.


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