
Es ist faszinierend, wie Farben Stimmungen einfangen können. Bei meinen letzten Fotografien zog es mich förmlich ins Blau. Vielleicht ist es die Kälte, das wochenlange Versteckspiel der Sonne oder die zum Teil zentimeterdicke Eisschicht auf den Gehwegen, die mir immer wieder die Idee in den Kopf setzt, anstatt Schuhe Schlittschuhe anzuziehen. Die Straßen sind ungewöhnlich leer und jeder Schritt ein Abenteuer. Es ist Winter und eine große Verwunderung liegt in der Luft, warum es so eisig ist. Weil es Winter ist. Doch scheinbar kaum jemand hat sich darauf vorbereitet, dass es so kalt werden würde, denn sonst ist es doch einfach nur nasskalt und grau. Und matschig.

Straßenbahnen fallen aus, Busse, U- und S-Bahnen fahren mit Unterbrechungen und das Eis wächst wie Blumen aus dem Boden. Tag für Tag. Gesprenkelt mit Streusand und Kieselsteinen. Immerhin, mich hat es noch nicht erwischt und bis auf ein paar Momente wie auf stürmischer See, haltend an der Reling, konnte ich das Gleichgewicht halten.
Es ist, als würde die Zeit langsamer laufen. Um ehrlich zu sein, ich mag es. Ich mag es, wenn sich die Welt für einen Moment in eine andere Richtung zu drehen scheint. Wenn ich das Gefühl habe, mit Kopfhörern und Musik durch die Straßen zu laufen, ohne welche zu tragen, wenn Bilder vor meinen Augen vorbeiziehen, die nicht real sind. Wenn etwas anders ist, als gewohnt.

Kaum noch ziehe ich mit der Kamera los und mache es mir stattdessen lieber gemütlich. Wenn es die Zeit erlaubt, schreibe ich, denke, philosophiere oder genieße einfach einen guten Kaffee. Die Tage sind ruhig und laut zugleich geworden. Oft bleiben mir nur Minuten oder gar Sekunden, um mich kreativ austoben zu können, und immer wieder kommt mir der Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ in den Sinn.
Aber keine Sorge, die Fotoexperimente kommen wieder. Bis dahin tauchen meine Fotografien in einen blauen Farbtopf und erzählen von Geschichten, die jeder für sich entdecken darf.


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