Kennt ihr Zink Fotopapier? Die winzigen Papiere im 2×3 Format mit Klebefunktion? Eigentlich sind sie super für Tagebücher, Familienerinnerungen, Bilder-Notizen oder zum Verschenken. Eine nette Spielerei. Ich wollte aber wissen, ob es nicht möglich ist, mehr aus den kleinen Formaten herauszuholen, und wenn ja, wie.

Das Zink-Fotopapier
„Zink“ steht für „Zero Ink“ (null Tinte) und enthält bereits im Papier all die Farbpigmente, die es für den Druck braucht. Auf jeder der drei Emulsionsschichten liegen unsichtbare Farbkristalle (Gelb, Magenta und Cyan), und erst durch das Erhitzen während des Druckverfahrens, werden die Farbpigmente aktiviert. Das fertige Bild wird sichtbar und sofort wasser- und wischfest.

Wenn der Drucker mit Hitze arbeitet, müsste das Bild also durch Hitze manipulierbar sein. Aber was ist noch möglich?
Thermische Manipulation, Maskierung, mechanische Zerstörung, chemische Korrosion, Emulsionslift
Das Bild ist winzig. Warum überhaupt der Aufwand? Vielleicht sehe ich es als eine Herausforderung, als Anreiz, wie ich aus einem so kleinen Aufkleber etwas Künstlerisches erschaffen kann. Und dann kommt natürlich noch die Neugier und der Spaß hinzu. Herausfinden, was passiert, wenn …
1. Thermische Manipulation
Jede Farbschicht braucht eine bestimmte Temperatur, um zu reagieren. Bei Hitze wie Feuer wird Cyan aktiviert (ab ca. 100 Grad) und es entstehen blaue Flecken. Magenta wird ab ca. 150 Grad, Gelb ab ca. 200 Grad aktiviert.

Wer es testen möchte, empfehle ich, das Experiment nur kurz und bei offenem Fenster / an der frischen Luft auszuprobieren, da sich Schadstoffe aus der Beschichtung lösen können.
2. Maskierung
Hier kannst du mit Schichten arbeiten, d.h. du klebst z.B. einen Klebestreifen (Form, die du magst) auf das noch ungedruckte Bild und erhältst an der Stelle des Klebestreifens eine weiße Stelle. Aber Vorsicht: Es darf nicht zu dick sein, damit das Papier nicht steckenbleibt!
Mir gefiel die weiße Stelle nicht, also löste ich den Tesafilmstreifen und druckte das gleiche Bild erneut. So entsteht eine Doppelbelichtung mit unterschiedlichen Farbstärken.


Was wichtig ist: Der Fotodrucker zieht das Papier nicht immer gleich ein, d.h. es kann um Millimeter verschoben sein (wie beim Bild links), was eine geisterhafte Wirkung erzielt. Wer das nicht möchte, verändert das zweite Bild besser bewusst durch z.B. vergrößern oder nimmt nicht die gleiche Aufnahme.
Was ich hier mag: Es gibt wahnsinnig viel Spielraum das Bild zu gestalten und bestimmte Effekte zu erzeugen.
3. Mechanische Zerstörung
Knicken, reiben, biegen, die Struktur des Bildes verändern. In den entstandenen Falten brechen die Kristalle auf und es entstehen leuchtende, weiße Streifen. Die Drucke bekommen einen beinahe magischen verträumten Stil. Eine spannende Technik für eine Serie über das Vergessen | Erinnerung | Traum.


Was aber ein großer Nachteil ist: Sind die Blätter nicht ganz glatt, können sie im Drucker stecken bleiben. Bei den Bildern oben ist es ganz gut zu sehen, da sie unterschiedlich groß sind. Ein Teil wurde nicht gedruckt, das Papier steckte fest, und es blieb ein weißer Streifen. Wer also knickt, denn hier können richtig schöne Effekte erzielt werden, muss danach unbedingt die Rückseite des Bildes wieder schön glatt drücken. Oder zwischen Büchern pressen.
4. Chemische Korrosion
Hier werden die Schichten „zerfressen“. Zitronensaft, hochprozentige Alkohole, aber auch Nagellackentferner (Aceton), Desinfektionsmittel, Bleichmittel und ähnliches, verändern die Farben und bleichen sie aus. Zitronensaft, den ich verwendete, holte das Pink hervor. Leuchtend grell.

Was mich stört, sind die Farbstreifen auf dem Bild, allerdings kann das auch ein interessanter und gewollter Effekt sein. Wichtig ist, gerade, wenn die Experimente mit Flüssigkeiten getestet werden, dass das Papier trocken ist, bevor es zum Drucken eingelegt wird. Tauchen trotzdem feine Streifen auf dem Druck auf, kann der Druckkopf oder die Walze verschmutzt sein. Dafür gibt es die blaue Kalibrierungskarte, oder auch das Smart Sheet. Es kalibriert nicht nur, es reinigt auch die Druckwalze von Staub und Rückständen. Ich muss es wohl nur noch öfter durchlaufen lassen …
5. Emulsionslift
Sicher kennen die einen oder anderen Emulsionslift von der Sofortbildfotografie. Da das Zinkpapier aus mehreren Schichten besteht, kann es auch hier genutzt werden. Ich habe es in Wasser liegen lassen, bis sich die Schichten voneinander lösten. Bei der Verwendung eines Wasser-Salz-Gemisches schwammen die Farben des Teststreifens wie kleine Fische davon. Ein Emulsionslift war nicht mehr möglich. Daher nicht zu lange liegen lassen.


Es gibt noch unzählige weitere Ideen, die man mit den kleinen Aufklebern umsetzen kann – dies würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen. Das Spektrum reicht von Collagen und Fotomosaiken über die Kombination verschiedener Manipulationen bis hin zur Nutzung matter Schutzfolien. Auch das Einrahmen im Passepartout oder das Einscannen für hochwertige Fine-Art-Prints ist möglich. Grenzen setzt hier eigentlich nur das Format, nicht die Vielfalt der Ideen.
Mir gefiel, dass Unerwartetes passierte.
Überraschende Ergebnisse, Inspiration, die Freude am Tun und das Gefühl, sofort etwas in der Hand zu halten – auch wenn es noch so klein ist. Genau das hat mir so gut gefallen. Zu überlegen, wie man daraus nun etwas Stärkeres, Größeres machen kann, hat für mich schon fast etwas Philosophisches.
Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, eure Zink-Drucke auch einmal ein wenig „zu ärgern“ und zu sehen, was passiert. Oder euch an anderen Papieren auszuprobieren. Schreibt mir gerne in die Kommentare, welche Technik euch am meisten reizt!




Ich freue mich über deine Gedanken …