Was is´, was schaust du mich so an?
Emma wendet sich wieder dem Fenster zu, beobachtet einen Spatz, der auf einem dünnen Ast schaukelt.
Nichts, antwortet Tim. Nichts.
Enttäuscht über sich und seine Feigheit zieht er sich in seine übliche Körperhaltung zurück, angelehnt, die Arme verschränkt, in der Hoffnung es geschehe ein Wunder, das die beiden aus ihrer Erstarrung löst, ein plötzliches Surren der Klingel, ein Anruf. Es bleibt jedoch still. Nur der Spatz auf dem Baum schaukelt fröhlich weiter, zwitschert, und fliegt davon. Emmas Blick hinterher.
Emma?
Hmm.
Was denkst du?
Über was?
Über uns.
Warum?
Nur so.
Tim kratzt sich an der Stirn. Gestern noch hat er sich jedes einzelne Wort genau überlegt und jetzt ist alles wie weggeblasen, kommt ihm idiotisch vor. Es ist, als stehe er neben seinem Körper, beobachte sich, lache über sich und kann nichts dagegen tun, was die Hände tun, wie die linke Augenbraue kaum merklich zuckt.
Ich lieb‘ dich, weißt du.
Mehr kann er nicht sagen. Eigentlich wollte er es nicht so sagen. Ähnlich, entschuldigend, anders. Emma dreht sich zu ihrem Freund um, langsam, ihr Gesicht zeigt die Verletzung, eine rote Stelle, ein roter Fleck auf der Wange.
Tim, plötzlich kleiner als sie, ein Sack, der in sich zusammenfällt.
Mach das nie wieder, flüstert sie. Nie wieder.
Nie wieder, ich verspreche es, antwortet er, steht auf, nimmt die Bierflaschen aus dem Kühlschrank, zieht sich den Anorak über, verlässt die Wohnung. Vom Fenster aus kann Emma ihren Freund für einen kurzen Moment vor dem Flaschencontainer zögern sehen, dann durchbricht das Zerbrechen von Glas die Stille.

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