Glaubst du nicht auch, dass der spinnt?
Weiß nicht, vielleicht, aber meinst du nicht, dass er gerade einfach nur durch den Wind ist?
Wegen seiner Frau?
Und seinen Kindern.
Vielleicht. Ich wäre auf jeden Fall verrückt geworden.
Ich auch.
Sag mal, was hat die Frau eigentlich im Schuppen zu suchen gehabt?
Ihren Kleinsten, der sich dort immer versteckt.
Ah.
Der war aber nicht da. Was für ein Glück.
Na, und dann ist alles zusammengebrochen?
Nein. Bricht ja nicht einfach alles so zusammen.
Aber der Schuppen ist doch eingestürzt.
Das Dach war undicht und das Holz morsch. Vor einigen Wochen ist dann beinahe alles erneuert worden.
Warum haben sie den Schuppen nicht einfach abgerissen?
Emotionale Bindung.
Was?
Emotionale Bindung.
…
Emotionale Bindung.
Hab schon verstanden!
Dann sag doch was.
Was soll ich den sagen?
Aha.
Aha.
Na, geht doch.
Warum ist der Schuppen jetzt eingestürzt, wenn alles erneuert worden ist?
Weiß man nicht.
Wie, weiß man nicht?
Na, man weiß es nicht.
Was treibt ihr beiden denn da? Bewegt euch, die Pause geht doch nicht den ganzen Tag!
Idiot.
Nicht so laut. Der hört dich noch.
Mir doch egal. Mir tut schon alles weh.
Lass uns weiter machen.
Und wenn wir da unten noch was finden?
Was denn?
Na, irgendwas persönliches.
Dann geben wir es dem Mann.
Ich kann das nicht.
Ich mach das, keine Sorge. Ist doch nicht das erste Mal.
Für mich ist es immer das erste Mal.
Jetzt plötzlich emotional? Was ist denn los mit dir? Du bist doch der Erste, der die lautesten Witze über unsere Arbeit reißt.
Wenn schon. Ich hab die Schnauze voll von dem ganzen Scheiß.
Du kannst nicht einfach aufhören. Das geht nicht. Spinnst du jetzt total? Was willst denn sonst machen?
Weg.
Wie, weg?
Na, weg. W – e – g
Jeder will weg, aber was heißt das schon. Ich will auch weg und renn ich deswegen gleich los, oder was? Nö. Wer macht dann meine Arbeit? Vielleicht ein Rotzbengel wie der Sohn vom Bäcker, der sich noch einen seelischen Schaden einfängt, weil ich das Handtuch geschmissen habe. Ne, mit mir nicht. Ich mach das selber. Weg, du spinnst doch.
Du spinnst doch, das du so einen Blödsinn redest. Von wegen der arme Sohn des Bäckers. Du hast Schiss, was anderes zu machen. Was willst du auch machen? Die Familie kann ja nicht von Wasser und Brot leben.
Was für ein Glück, dass du so frei bist, oder was?
Was für ein Glück.
Was schaust denn dann so blöd, als würde sich dir der Magen umdrehen? Du bist alt und allein, da brauchst du deine schlechte Laune nicht an mir raus zu lassen. Such dir eine Frau, mach Kinder und arbeite jetzt endlich weiter, dann sind wir alle wieder glücklich.
Du wirst schon sehen, in einem halben Jahr bin ich weg. Die Kündigung ist geschrieben und liegt morgen beim Chef auf dem Frühstückstisch.
Hat der Mann dir jetzt komplett den Kopf gewaschen, oder was? Was ist bloß los mit dir?!
Nichts. Mir ist nur einiges klar geworden und dir nicht.
Aha. Na dann. Allein kann ich nicht arbeiten, also hilf mir, so lange du noch da bist, sonst breche ich mir noch wegen deinem wahnsinnigen Geschwafel den Rücken.
Ay, ay, Käpt’n, zur Stelle!

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