


Langsam, elektrisiert, fühlbar.
Mit jedem Grollen und Zucken der Blitze steigert sich meine kindliche Aufregung und beinahe ungeduldig warte ich auf den Moment des Ausbruchs. Er zeigt sich erst, als ich die Balkontür öffne und das Schauspiel vom Trockenen aus erblicken kann. Sturzbäche bilden sich innerhalb Sekunden und nehmen den Dreck der Stadt mit sich.
Der Boden vibriert.
Vereinzelte Schatten retten sich in Hauseingänge, andere verlangsamen ihre Schritte und blicken gen Himmel, der immer wieder mit einer unglaublichen Wucht beinahe zu zerbersten scheint.
Tag und Nacht, Nacht und Tag. Ein Donnerschlag jagt den nächsten und lässt die Wände kaum merklich erzittern.
Auf zwei Klappstühlen, zwischen die Balkontür geklemmt, sitzen wir da.
Beobachten. Reden. Schweigen. Ab und an nippen wir an unserem Bier.
Ich liebe Gewitter. Ich liebe den Geruch, kurz bevor der Platzregen einsetzt, die erdrückende Stille, die Spannung.
Ehe ich den Flaschenboden sehe, ist der Spuk vorbei. Beinahe. Letzte Blitze erleuchten die Häuser, dann wird es ruhig.
Die Hitze ist verschwunden. Erstmal. Und sogleich sehne ich mich nach ihr, als wäre sie noch nicht gewesen.

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