Gewitter
Langsam, elektrisiert, fühlbar. Mit jedem Grollen und Zucken der Blitze steigert sich meine kindliche Aufregung und beinahe ungeduldig warte ich auf den Moment des Ausbruchs. Er zeigt sich erst, als ich die Balkontür öffne und das Schauspiel vom Trockenen aus erblicken kann. Sturzbäche bilden sich innerhalb Sekunden und nehmen den Dreck der Stadt mit sich.…
weiterlesenLea
Grünes Haar, gelbe Nasenspitze und rote Lippen umrahmt von einem zarten Blau. Es ist das Gesicht einer Fee auf Leas Kissen, in das ich blicke. Stolz drückte sie mir ihre Zeichnung in die Hand. Ein großer viereckiger, etwas wackeliger Kasten umgibt die Fee, den sie mit einer dicken schwarzen Kreide gemalt hat. Lea ist fünf…
weiterlesenEin Dialog
Grübeln ist nicht immer gut, weißt du? Warum? Man denkt zu viel. Und das ist schlecht? Ja. Man denkt so viel mehr als nötig wäre. Meinst du, man denkt sich Probleme? Ja. Verstehe. Weißt du, ich grüble nicht so viel. Manchmal vielleicht. Ich schon. Und das macht schlechte Laune. Ach ja? Ich hab auch so…
weiterlesenZuhause
Wie ein Dampfer bahnt sich das kleine Papierschiff den Weg durch die Weite der Strömung. Ein Dampfer so leicht wie die Wellen selbst. Sie tanzen unter der Sonne und brechen am Ufer. Ich bin allein, blicke auf den Fluss, die Fische, das Papierschiff, beobachte, wie es langsam davon segelt. Mein Rücken lehnt an einem Baum,…
weiterlesenGuten Morgen, Nachbarn!
Schweigsam eröffnete sie ihre wohlgeordnete Abendmahlzeit am winzigen Esstisch mit einem Schluck Wasser im Sektglas, der kaum für zwei Teller und Besteck ausreichend Platz schaffte. Mit jedem Messerschnitt, jedem Aufspießen einer Spirelli, neigte sich der Tisch leicht zur Seite und zitterte. Ramona schnitt weiter das Stück Hähnchenfilet, spießte weiter die Nudeln mit Tomatensauce und unzähligen…
weiterlesenDer Albtraum
Nur zwei Reihen weiter sitzt sie. Die Beine übereinander geschlungen. Ineinander verschmolzen. Sanft und kaum merklich ein Wippen der Füße. Barfuß. Ihr Kleid gleicht einem Nachthemd. Ein Stoff, so zart, als wäre er nicht. Existiere nicht.
weiterlesenIm Umbruch
Immer wieder denke ich, wie viel es zu entdecken gibt, wie vieles auf uns wartet. Fern des alltäglichen Trubels, fern der üblichen Wege. Ein neuer Ort, ein neuer Platz, wer weiß, was sich ergeben kann. Es ist die Zeit, die Entscheidungen trifft. Ich warte, hoffe, genieße bis dahin. Denn glücklich bin ich. Hier und Jetzt.…
weiterlesenNeuanfang
Was is´, was schaust du mich so an? Emma wendet sich wieder dem Fenster zu, beobachtet einen Spatz, der auf einem dünnen Ast schaukelt. Nichts, antwortet Tim. Nichts. Enttäuscht über sich und seine Feigheit zieht er sich in seine übliche Körperhaltung zurück, angelehnt, die Arme verschränkt, in der Hoffnung es geschehe ein Wunder, das die…
weiterlesenFlucht
Ein leichter Grauschleier lag über den Stadthäusern, die sich im Zentrum wie eineiige Zwillinge glichen. Hochkantig, verglast, mit unzähligen Stockwerken und unpersönlich. Erneut drehte ich mich um, warf einen Blick auf den Mann, der nur wenige Meter hinter mir lief. Schwarze Schuhe, langer dunkelgrauer Mantel, sein Blick gesenkt. Einer von vielen Menschen, mit denen wir…
weiterlesenSvenja II
Zaghaft nur zieht der Wind über mich hinweg, ertastet meine Wange. Die Beine taub. Mein Blick ins Nichts, vorbei an der Schlucht und den Menschen weit über mir, deren Augen trotz der Höhe noch immer auf mir harren. …
weiterlesenZimmer 12
Aus weiter Ferne höre ich noch zwei Schläge, ein Klatschen. Leises Knacken, ehe ich zu Boden falle. Nicht ich, nein, nicht ich. Ich verstumme, wie die Kirchenglocke wenige Häuser entfernt. Rauschen, ein leises Pfeifen. Schrill. Ein hoher Ton, den ich bedingungslos über mich ergehen lasse, verdrängt die Stille. Er geht wieder weg. Es geht wieder weg.…
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